Angeguckt: Zombies, Winter’s Bone, Terroristen

Holla die Waldfee, ihr Kinder der Nacht! Ich hab‘ mir mal wieder den ein oder anderen Film angeschaut. Waren sogar gute dabei! Einer sogar richtig, richtig gut. Aber ich schätze, jeder Film mit Jennifer Lawrence ist gut. Guckt sie euch halt an. Eine Schönheit:

Jennifer

Winter’s Bone

In diesem Film passiert nicht viel. Doch genau das macht ihn so fantastisch, so bedrückend, so pessimistisch. Schnell erzählt und doch auch nicht: Ree (Jennifer Lawrence) muss ihren Vater finden, der von der Polizei gesucht zu einem Gerichtstermin soll. Bleibt er dem Gericht fern, nimmt der Staat Ree das Haus und den dazugehörigen Wald weg, weil Rees Vater dies verpfändete. Ree steckt in Schwierigkeiten: Ihre Mutter krankt und vegetiert stumm vor sich hin, ihr Vater lebt als Drogenkrimineller irgendwo, aber nicht Zuhause und ihre beiden jüngeren Geschwister brauchen die Zuwendung, Pflege und Kontrolle von Ree.

Und da beginnt sie, die Geschichte um ein junges, 17-jähriges Mädchen, das ihren Vater finden muss, um ihre ohnehin schon leidtragende Familie zu retten. Wo ist Rees Vater? Steckt mehr dahinter als sein Drogengeschäft? Im hintersten Hinterland Amerikas macht sich Ree auf die Suche, trifft Menschen, die hässlich wie die Nacht ihr Dasein fristen im wohl trostlosesten Fleck auf Erden. Jeder ist mit jedem zumindest ein bisschen verwandt, jeder kennt sich, aber Ree stößt auf ihrer Suche immer wieder auf taube Ohren und ein bisschen Prügel. Eigentlich, so könnte man meinen, bietet dieser Stoff, der übrigens auf dem gleichnamigen Roman basiert, schön viel Spielraum für eine Handlung, die packt, dabei soziale Missstände aufdeckt und den Abschaum der Gesellschaft zeigt.

Aber all das passiert nicht. Zumindest nur auf eine langsame Art, auf eine Art, die oftmals mehr die grimmige Natur sprechen lässt, die wirkt als kämpfe sie gegen die Menschen, Tag für Tag, und dabei zu viel Kraft verbraucht, um schön zu sein. Manchmal, da geht Ree für einige Minuten schlicht durch die Wälder, durch dickes Laub, das wie ein Teppich aus Öl daliegt. Ree kämpft gegen den Abschaum der Gegend, sie kämpft gegen den Wunsch auszubrechen aus ihrem Leben, weg von all dem Gesocks, den Drogen, den Aussichten auf nichts und wieder nichts; und doch entstehen hier Bilder der Natur, die ohne dieses Grundgerüst und losgelöst jedweder menschlicher Erscheinung unfassbar depressiv wirken.

WintersBone

Genau deswegen spielt der Film damit, mit der naturgegebenen Darstellung des Aussichtslosen. Die Handlung spinnt sich von Moment zu Moment, ohne jemals viel zu erzählen, ohne jemals eine schnelle Kamerafahrt nach der anderen zu bieten. Es passiert Schritt für Schritt, aber langsamen Schrittes, die Schritte zögern. Umso genialer, wenn Jennifer Lawrence es schafft, Ree eine derartige emotionale Tiefe zu verleihen – dieses arme junge Ding räumt ihrem kriminellen Vater hinterher, um ihr eigenes Leben, das beschwerlich genug ist, auch noch auf die Reihe zu bekommen. Jennifer Lawrence stellt dieses Mädchen so berührend dar, so überzeugend und authentisch, dass ich mich frage, ob ich jemals eine 20-jährige Schauspielerin so gut habe spielen sehen.

Dazu kommt Teardrop (John Hawkes), Rees Onkel, der einfach mal mehr Angst einjagt als Freddy Kruger. John Hawkes schauspielert hier zusammen mit Lawrence einfach mal alles an die Wand, was ich in den letzten Jahren in Filmen gesehen habe. Zurecht waren beide für den Oscer nominiert.

Wer mir sagen würde, hey, der Film ist langweilig: ich würde es verstehen. Musikalische Untermalung ist quasi nicht vorhanden, man könnte dem Film vorwerfen, zu verliebt in die depressive Stimmung der Natur zu sein, ja man könnte sogar sagen, die Hinterwäldler zu klischeehaft darzustellen, aber all das macht für mich den Film aus. Niemand lächelt in dem Film, warum sollte auch die Natur lächeln? Dieses ganze Hinterwäldlertum, verköpert durch Laiendarsteller, die zum Teil erst bei Drehbeginn gefunden worden, packt mit der authentischen Darstellung. Winter’s Bone lebt aus dem Zusammenspiel zwischen subtilem, stillem Schauspiel und der archaischen Faszination der tot wirkenden Natur.

Bewertung: 11 von 10 Oscars für Jennifer Lawrence und John Hawkes!

Four Lions

Irgendwie wollen vier Terroristen in Englang im Auftrag Allahs irgendwas in die Luft sprengen. Vielleicht eine Apotheke, „weil voll wichtig“. Oder eine Moschee, um die anderen islamischen Brüder aufzuwecken. Klingt absurd? Das trifft Four Lions auf den Punkt. Eine durchgedrehte Satire über den Terrorismus, den Glauben und der Frage, ob Wookies nun Bären sind. Allein diese Szene! Da streiten zwei Polizisten tatsächlich darüber, ob ein Wookie ein Bär ist und ob sie gerade das richtige Ziel ausgeschaltet haben.

Der Film lebt von irrwitzigen Ideen und der manchmal sehr plumpen Darstellung der Terroristen. Omar stellt da noch den Vernünftigsten dar: ihm reicht es, das Ansehen der Moslems leiden zu sehen und will was ändern. Waj macht mit, weil der strunzblöd ist. Und Berry, ein islamischer Konvertit, will unbedingt eine Moschee in die Luft sprengen, weil das ja eine Wirkung haben soll. Oder so. Wenn da vier Terroristen fast in Hocke mit Sprengstoff wie wild über die Straße laufen, dann ergibt sich ein Bild, über den jeder Miesepeter der Welt lachen muss. Witzig, böse, und doch herrlich unbeschwert.

Bewertung: Vier von fünf Bomben, weil ein Wookie kein Bär ist!

Untote wie wir

Ein US-Soldat stirbt im Irak, wird in Amerika beerdigt und steht als Zombie wieder auf. Und dann braucht er Blut, um zu überleben. Also ist er vielleicht doch eher Vampir? Vielleicht ein untoter Vampir? Keine Ahnung. Jedenfalls: Der Zombie entschließt sich, den Bösen der Stadt Einhalt zu gebieten – er kann ja eh nicht sterben. Also tötet er sie alle, trinkt deren Blut, er rettet die Welt, bis alles ganz böse aus dem Ruder läuft. Klingt ja alles toll, aber ich habe mich irgendwie gelangweilt. Warn ja zwei, drei Lacher dabei, aber irgendwie waren die Schauspieler mies, der Spannungsbogen war schlaffer als die Speckfalten von Rainer Calmund und sowieso war das alles schrecklich öde. Da hilft auch das Zombiegedöns nicht. Schade.

Bewertung: Gibt’s nicht, bin zu müde.

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